Selbstmordstadt Berlin: Selbstmörderfriedhof in Grunewald

Im Grunewald befindet sich auch der als „Selbstmörderfriedhof“ bekannte Begräbnisplatz am Schildhornweg.

Er ist eigentlich die Idylle pur. Fachleute bezeichnen ihn als die Perle unter Berlins Friedhöfen. Dennoch haftet ihm durchaus etwas Gespenstisches an. Das bestätigt jeder, der ihn schon mal besucht hat. Sogar am helllichten Tag ist es dort nicht geheuer. Über die ruhelos irrenden Seelen kursieren zahlreiche Stories, auch wenn eventuell nur Eulen für bestimmte Laute verantwortlich sind. Den Grund zur Einrichtung des Friedhofes gaben einst Emigranten aus Russland, die sich nach 1918 mit großem Schmerz über den Sturz des Zaren in der nahen Havel ertränkten. Sie wurden von den Behörden heimlich im Jagen 135 beerdigt. Aber die Familien setzten ihnen Andreaskreuze auf die Gräber, einige stehen heute noch. Das war der Grund, weshalb der Magistrat von Berlin das Fleckchen Erde mit einer Mauer umgab und als „Selbstmörderfriedhof“ erklärt hat. In der Gegenwart wurden auch normale Bestattungen vorgenommen und heute ist der Friedhof offiziell als „Grunewald Forst“ ausgewiesen. Allerdings soll er in ca. 50 Jahren entwidmet werden. Bis dahin ist noch Zeit, eventuell wird diese Sehenswürdigkeit der Hauptstadt bestehen bleiben.

Selbstmorde früher und heute

Historisch zeigt schon eines der berühmten Bilder von Heinrich Zille, dass Berlin einfach eine Selbstmordstadt war. Ein kleines Mädchen läuft an der Hand der Mutter zur Spree. Es ist klar ersichtlich, dass es beiden nicht gut geht. Das Mädchen hat Angst und sagt, das Wasser wäre ihm zu kalt. Die Mutter tröstet, dass die Fische doch auch darin nicht frieren würden. Eine typische Art von Berliner Humor, die die traurige Situation kennzeichnet, die hier um 1900 Realität war. Die sozialen Umstände trieben viele in den Tod. Die „Gute alte Zeit“ war so menschenfreundlich nicht.

Heute ist es mitunter nicht anders, und es gibt Stellen in der Stadt, die sich bei Selbstmördern großer „Beliebtheit“ erfreuen. Mysteriöse Todesfälle an den Schienen gehören zum Alltag, manche meinen sogar verächtlich, zur „Folklore“ der Stadt. Auch der Grunewald ist leider immer wieder Schauplatz von solchen Vorfällen. Oft wird die Akte dann vorfristig geschlossen. Manche Rechtsmediziner sind sich sogar sicher, das auf die Art Mordfälle vertuscht werden, die für Behörden und die Öffentlichkeit eher unangenehm wären.

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